07/06/2012

Gastbeitrag: Alexander Karl

Kategorie: Aktion » Jugendbuchautoren

 

Aexander Karl hat mit ‘Real Me –  Die Suche nach dem wahren Ich’ sein erstes Buch herausgebracht und hat einen kleinen Erfahrungsbericht geschrieben, über seinen Weg als Schriftsteller, vom ersten Schreiben auf dem Collegeblock bis hin zur ersten Veröffentlichung:

Schriftsteller wurde ich ziemlich ungewollt, irgendwann im Spätsommer 2005. In einer Unterrichtsstunde wollte ich nur eine Geschichte, wie meine Freunde und ich sie auch erlebt haben könnten, aufschreiben. In jener Unterrichtsstunde noch auf einem Collegeblock, später am PC.
Ein gutes Jahr später war das Ergebnis eine etwa 150-Seiten starke Word-Datei, die meine engsten Freunde lesen durften. Die fanden es gut. Und ich eigentlich auch. Warum das Ganze also nicht veröffentlichen? Naiv wie ich mit meinen 16 Jahren war, schaute ich auf den Internetseiten der großen Jugendbuchverlage nach Möglichkeiten der Manuskripteinsendung. Bei irgendeinem würde es irgendwie klappen. Warum sollte es denn nicht genau mein Buch sein, das in den Buchhandlungen angepriesen wird? Immerhin konnte ich mir und meinem Werk zu Gute halten, dass „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ authentisch ist, ehrlich geschrieben, aber nicht autobiographisch. Eben ein Buch von einem 16-Jährigen, der über etwas schreibt, was er selbst erleben haben könnte – der also Ahnung hat. So war die Idee. Doch die Realität sah dann anders aus.

Der erste Dämpfer kam nach zwei bis drei Monaten: In Standardbriefe verpackt, in denen höchstens der Nachname individuell eingetippt worden war, kamen die Absagen der Verlage: „Passt nicht ins Verlagsprogramm“. „Detaillierte Begründungen sind aus Zeitmangel nicht möglich.“

Ich haderte mit mir und mit meinem Werk. Doch die Segel streichen? Nein, das wollte ich nicht. Ich überarbeite über die Jahre „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ immer wieder, schrieb noch drei Folgebände. Wenn ich nicht gerade für mein Abitur büffelte, kontaktierte ich zwischenzeitlich immer wieder Verlage, ging auf die Frankfurter Buchmesse um mich persönlich vorzustellen – erfolglos.

Rückblickend war meine erste Version von „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ nicht druckreif. Aber mit jeder Kurzgeschichte und jedem Buch wurde mein Stil besser. Das gelang mir auch, weil ich mich mit Gleichaltrigen in der Mitschreibcommunity hierschreibenwir.de austauschen konnte. Ich lud Texte hoch, nahm an Wettbewerben teil, bevor ich später selbst Anthologie-Wettbewerbe über die Seite austrug. Zwar entwickelte ich mich weiter, aber weiterhin lehnten die Verlage „Real Me“ ab. Noch immer war ich war ein junger, unbekannter deutscher Autor. Keine Promi-Eltern, kein Vitamin-B in die Literaturszene, keine Schicksalsgeschichte, die ich autobiografisch erzählte. Denn Verlage sind in erster Linie Unternehmen und oft erst an zweiter Stelle Idealisten. Bücher von Promis wie Charlotte Roche oder Sarah Kuttner lassen sich nun einmal einfacher vermarkten. Und Bücher von Stephenie Meyer oder Suzanne Collins haben sich auf dem angloamerikanischen Markt schon erprobt, lassen sich gut als „Bestseller“ bewerben und landen so wahrscheinlich auch hierzulande auf der Bestsellerliste.

Aufgeben stand für mich aber nicht zur Debatte – aber genauso wenig wollte ich ein Buch über Book-on-Demand veröffentlichen. Denn damit publiziert man zwar, spricht aber nur ein kleines Publikum an – und davon leben kann man im Normalfall auch nicht. Wie der Bestseller-Autor Peter Prange gegenüber dem Blog media-bubble.de erklärte, können allgemein nur fünf Prozent der publizierenden Autoren von ihrer Arbeit leben – ganz zu schweigen von all jenen Autoren, die nicht veröffentlichen. Aber die Hoffnung, mit einer wie auch immer gearteten Publikation einen Fuß in die kleine Katzenklappe des Buchmarkts zu bekommen, treibt an. Die Hoffnung, dass Menschen das gefällt, was man schreibt. Dass sie sich in die Welten entführen lassen, die man sich ausgedacht hat. Dass sie mit den Figuren, die man sorgfältig skizziert hat, lieben und leiden.
Ein Happy-End gibt es bei mir aber jetzt schon: Der Papierfresserchens MTM Verlag hat sich für mich entschieden und ich mich für ihn. Der Traum vom eigenen Buch hat sich schlussendlich also für mich erfüllt: „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ erschien am 06.06.2012 und ich hoffe, dass viele Jugendliche sich durch mein Buch angesprochen fühlen. Nicht nur, weil wie in jedem Buch unendlich viel Herzblut drinnen steckt, sondern auch, weil „Real Me“ authentisch ist. Noch immer steckt der Geist des Collegeblocks darin – und wer weiß: Vielleicht ist Authentizität mehr wert als ein großer Name. 

 

Mehr Informationen zu Autor und Buch findet ihr auch hier auf Facebook und hier auf seinem Blog.

4 Kommentare

  • Miss Bookiverse am 7. Juni 2012 um 14:45 Uhr

    Sympathischer Beitrag :) Ich finde es gut, dass er der Versuchung widerstanden hat und sein Buch nicht selbstverlegt hat. Ich glaube, wenn viele Verlage einen ablehnen, hat das leider meistens schon seinen Grund, nämlich den, das das Buch noch nicht so weit ist (und vllt sogar nie sein wird). Anstatt dann zu sagen “Ätsch, mach ich’s halb selber”, sollte man lieber überlegen wei man seinen Roman noch besser machen kann (jetzt mal von totalen Nischenthemen abgesehen).

    • Alexander Karl am 7. Juni 2012 um 17:51 Uhr

      Hi,
      vielen Dank ;) Genau das war auch meine Überlegung: Was kann ich besser machen, DAMIT es veröffentlicht wird? Schlussendlich hat es ja schon geklappt und ich hoffe, dass die von euch, die es lesen, auch gefallen daran finden!

      Liebe Grüße

  • ThatYvo am 7. Juni 2012 um 19:29 Uhr

    Stockhausen oO… nuja^^ Habs mir gerade bestellt und werds dann im Urlaub lesen. Ich finds echt schade, dass es dt. Autoren anscheinend so schwer haben, neben den vielen US-Bestsellern ein Plätzchen zu finde. Ich sehs ja selbst an meinem Buchregal – da hat auch nur ein Bruchteil deutsche Wurzeln…

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