The girl next door

Die 14-jährige Megan und ihre 12-jährige Schwester Susan verlieren ihre Eltern durch einen Unfall. So kommt es, dass sie zu den entfernt verwandten Chandlers ziehen müssen. Dort leben sie von nun an mit ihrer Stiefmutter Ruth und deren drei Söhnen Willie, Donny und Woofer. Schnell wird klar, dass Ruth keinen Gefallen daran hat, die Mädchen bei sich zu haben. Anfangs werden die Mädchen mit allerhand Aufgaben beschäftigt und für kleinste Fehler bestraft. Doch dabei bleibt es nicht. Nach und nach müssen die beiden immer schlimmere und erniedrigendere Dinge über sich ergehen lassen, nicht nur von Ruth, sondern auch von ihren Söhnen. Aus einem harmlosen Spiel der Jungs wird die brutale Realität. Einzig und allein David, der Nachbarsjunge, scheint auf der Seite der Mädchen zu stehen, ist jedoch hin und hergerissen zwischen anfänglicher Faszination und der Angst sich Ruth zu widersetzen und dem Wissen, dass das was dort vor sich geht, absolut nicht in Ordnung ist.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Nachbarsjungen David, Jahre später, als er schon erwachsen ist. Jack Ketchum hat diese Erzählform aus ganz besonderem Grund gewählt: Somit war es ihm jeder Zeit möglich, Teile der Geschichte auszulassen, sei es, weil David in dem Moment nicht anwesend war, oder weil er nicht darüber erzählen möchte. Somit werden die besonders grausamen Dinge nicht im Detail oder auch gar nicht erzählt, denn was diese Geschichte ausmacht, ist, dass sie auf einer wahren Begebenheit beruht.

Jack Ketchum‘s Schreibstil ist super, man fließt gerade so durch die Geschichte. Er hat es geschafft, eine Geschichte zu schreiben, die auf der einen Seite so grausam ist, dass man das Buch einfach nur noch weglegen möchte, auf der anderen Seite ist man jedoch total gefesselt und kommt nicht mehr von dem Buch los. Und natürlich auch nach dem Lesen des Buches hinterlässt es einen bleibenden Eindruck. Man kann an nichts anderes mehr denken, als an diese schrecklichen Ereignisse.

Man ist gefangen in dieser Geschichte und hin- und hergerissen zwischen Entsetzen und der Faszination, wie aus etwas so harmlosen, wie einem Kinderspiel, der reine Horror werden kann, wie schnell so etwas aus dem Ruder laufen kann.

Und auch bei David als Erzähler erfährt man immer wieder diesen Zwiespalt. Auf der einen Seite fühlt er sich zu Meg hingezogen und möchte ihr natürlich aus dieser Lage raus helfen, aber auf der anderen Seite ist er fasziniert davon, wie mächtig er sich plötzlich fühlt, alleine durchs Zuschauen und gegen Ende dann auch die Angst, die ihn davon abhält, irgendetwas zu unternehmen.

Besonders interessant ist es, die Entwicklung der Charakter zu verfolgen, wodurch natürlich die Beschreibung der Personen durch Davids Sichtweise beeinflusst wird. Anfangs erlebt man Ruth als nette Frau, die so Sachen wie Biertrinken unter den Jugendlichen etwas lockerer sieht und so natürlich sehr beliebt unter diesen ist. Und plötzlich entwickelt sie sich zu diesem Monster, das keine Gnade kennt. Auch David scheint sich von einem kleinen Jungen zu einem reifen jungen Kerl zu entwickeln. Ist er anfangs eher eingeschüchtert und einfach nur interessiert, beginnt er sich nach und nach Gedanken über Richtig und Falsch zu machen und schließlich legt er seine Faszination ab und denkt über die Gefühle der Mädchen nach.

Ein total grausames Ende schließt letztlich diese schlimme Geschichte ab, wobei man selbst wohl noch nach Stunden nicht damit abgeschlossen hat.


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