Und morgen bist du tot

Der fünfte Fall für den Kriminalbeamten Roy Grace ist ganz besonders heikel: Jemand scheint es auf Straßenkinder abgesehen zu haben, um deren Organe zu verkaufen. Grace stößt auf die skrupellosen Organhändler, als man die Leichen dreier Jugendlicher aus dem Ärmelkanal fischt. Schnell muss er sich auf die Spur der Täter machen bevor eine weitere Leiche aufgefunden wird.
Neben diesem Fall geht es auch um eine verzweifelte Mutter, deren Kind dringend eine neue Leber braucht und nicht mehr lange ohne die Transplantation überleben wird. Wie weit wird die Mutter des schwer kranken Kindes für dieses gehen?

Anfangs kommt die Geschichte nur sehr schleppend voran, bis es zu dem wirklichen Fall überhaupt kommt, braucht es an die hundert Seiten. Am Anfang spielen sich erst einmal drei verschieden Handlungsstränge ab, einmal geht es um Roy Grace, wie er den Fall aufnimmt, vorher geht es aber zum einem um die Mutter und ihre sterbenskranke Tochter und außerdem um einen Motoradfahrer, der in einen schlimmen Verkehrsunfall verwickelt wird.  Zwischen den Personen gibt es keinerlei Zusammenhang und der ständige Wechsel zwischen den Handlungen verwirrt erst einmal.

Nach dieser langen, schleppenden Einleitung geht es leider aber auch nur wenig spannend weiter, der Fall wird kaum behandelt, es dreht sich sehr viel um die Privatleben der Personen. In Graces Leben gibt es eine besonders positive Entwicklung, bei seinem Partner und Freund Glenn Branson läuft es dafür umso schlechter.
Da man die ganze Zeit über auch schon über die Tätigkeiten der Täter liest und so schon ihre Identitäten kennt, ist auch dadurch jegliche Spannung, die durch einen unbekannten Täter gegeben sein können, verloren.

Das Thema selbst hat mich dafür umso mehr interessiert. Man beginnt sich Gedanken zu machen, wie es wäre, selbst in der Lage zu sein, ein Organ dringend zu brauchen und wie weit man in diesem Fall gehen würde, ob für sich selbst oder für einen geliebten Menschen. Außerdem hat es mich dazu angeregt, darüber nachzudenken, ob ich später, wenn ich mal tot bin, meine Organe spenden möchte, was ja heutzutage noch ziemlich wenige Menschen tun, obwohl es sicherlich sehr hilfreich für viele andere wäre.
Durch dieses brisante Thema fiel es mir besonders schwer, mich in die verschiedenen Personen hineinzuversetzen und ihre Handlungen nachzuvollziehen, vor allem die der Ärzte, die mit den Organen handelten und auch mit der Mutter des kranken Kindes.

Völlig unnötig waren bei der ganzen Geschichte die Ereignisse um den Motoradfahrer, dessen Handlungsstrang irgendwann einfach abbrach und für die restliche Handlung absolut keine Rolle spielte.
Ein wenig Spannung brachte noch eine mysteriöse Frau mit dem Namen Sandy, auf die aber plötzlich auch nicht mehr eingegangen wurde und man weiß nicht, ob es sich bei dieser um die Frau handelt, nach der Grace schon seit Jahren sucht.

Das Ende war an sich gut, vor allem da nicht alles im typischen Happyend endete. Aber viel Spannung konnte ich auch hier nicht finden, da wie gesagt, die Täter bekannt waren und eigentlich klar war, worauf das ganze hinausläuft.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass Peter James hier einen ganz netten Roman geschrieben hat, der sich mehr auf die Entwicklung der Charaktere konzentriert als auf einen spannenden Fall. Hoffentlich sind ihm nicht die Ideen für einen spektakulären Krimi ausgegangen, der nächste Band ist ja schließlich auch schon im Original erschienen.


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