All About Books

A book blog, mostly touring foreign worlds of fantasy novels with occasional detours into space and explorations of magical realism, featuring book reviews, random bookish thoughts and hand lettered quotes.

Amputiert

Ein kurzer Moment und sein ganzes Leben änderte sich. Eben noch amüsierte er sich mit seinen Freunden, war auf dem guten Weg sich ordentlich zu betrinken, als ihn die Schreckensnachricht erreicht: Seine Frau und sein Sohn kamen bei einem Autounfall ums Leben. Sie haben sich bei diesem miesen Wetter ins Auto gesetzt und die schwere Fahrt auf sich genommen weil sie IHN abholen mussten.
Nach diesem Abend ist nichts mehr wie es war. Michael Fox, genannt Mike,  sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben, er rutscht vollkommen ab und landet auf der Straße. Zu seiner Tochter hat er keinen Kontakt mehr, sie will ihn nicht mehr sehen.
Und plötzlich wird ihm ein Angebot gemacht, mit dem endlich wieder etwas gutmachen könnte. Ein fremder Mann spricht ihn an und bietet ihm Geld. Viel Geld. Für seinen rechten Arm. Was hat Meik schon zu verlieren, er lebt auf der Straße und lebt nur noch von Tag zu Tag. Was würde es schon ausmachen einen Arm zu verlieren, aber dafür sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen?
Doch es kommt alles anders…

Spannend, derb, schockierend, fesselnd, schrecklich, unfassbar, erschreckend, ekelhaft, furchtbar, grauenhaft.
Das sind Wörter die mir während des Lesens von diesem Buch immer und immer wieder im Kopf umherschwirrten. Diese Geschichte hat mich vollauf gepackt und nicht mehr losgelassen, denn sie war schockierend und Gänsehaut erzeugend, sie macht fassungslos und ist gleichzeitig extrem spannend und einfach nur toll erzählt. Das einzige Wort das mir zusammenfassend dazu einfällt ist: krass.
Diese Geschichte hat es wirklich in sich. Langsam geht es los, man lernt Meik in seiner Umgebung unter anderen Obdachlosen kennen und erfährt nach und nach wie es zu seinem Leben auf der Straße gekommen ist. Und schließlich lernt man den reichen Mann kennen, der ihm das verlockende Angebot macht und endlich erfährt man, was die Hintergründe dieses sonderbaren Angebotes sind.
Schon dieser Teil ist mehr als spannend und sehr flüssig geschrieben, so dass man gespannt darauf wartet, wie es weiter geht und ob Meik wirklich den Sprung aus seinem Leben als ‘Penner‘ schaffen wird.
War die Geschichte jedoch bis dahin noch einfach nur spannend, gibt es bald schon einen Punkt in der sie straff anzieht und los geht die wilde Achterbahnfahrt. Plötzlich stürzen all die oben genannten Eindrücke auf einen ein und man bleibt erst mal völlig sprachlos zurück. Diese Geschichte weiß es zu entsetzen, ganz nach meinem Geschmack.
Auch das Ende hat es in sich und bietet einen sehr gelungenen Abschluss der anders gar nicht hätte ausfallen dürfen, ohne der Geschichte ihre Glaubhaftigkeit zu nehmen und einfach nur grausam und unvorstellbar zu sein.

Besonders gefallen hat mir, dass sich Gord Rolle sehr mit dem Thema der Amputation beschäftigt zu haben scheint und so dem Leser bis ins kleinste Detail alle medizinischen Dinge erklären und verständlich machen kann.
Außerdem bringt er einem auf sehr gelungene Art und Weise das Leben der Obdachlosen näher und greift einige Vorurteile diesen gegenüber auf, die den Leser zum Nachdenken anregen können.

Zum Nachdenken regt natürlich auch die Geschichte selbst an. Immer wieder habe ich mich gefragt, ob ich für viel Geld auch eins meiner Körperteile hergeben würde. Mein erster Gedanke war ganz klar: Nein! Aber wie sieht es aus, wenn man sich in Mikes Position befindet und man nichts mehr hat, für das es sich zu leben lohnt?

Zwar konzentriert sich die Geschichte vorwiegend auf Mike, schließlich ist sie aus seiner Sicht geschrieben,  jedoch lernt man durch ihn auch noch andere, auf der Straße lebende, Menschen kennen, denen ebenfalls ein solches Angebot gemacht wurde. Gord Rollo hat eine Art Personen zu beschreiben, in nur kurzen knappen Sätzen und doch hat man das Gefühl die Personen danach zu kennen bzw. einschätzen zu können, was für eine Art von Mensch sie sind.
So konnte ich mir ziemlich schnell die verschiedenen Persönlichkeiten im realen Leben vorstellen, ich konnte mich gut in sie und die jeweiligen Situationen hineinversetzen.

Einziger Kritikpunkt für mich ist ein Teil des Endes. Zu oft fand man das Wort ‘Glück‘ in einem Satz wieder und so wurde es doch ein klein wenig unrealistisch dass Meik so viel Glück hatte.

Alles in allem kann ich das Buch aber jedem empfehlen, der nach einem wirklich gelungenen und spannenden Thriller sucht. Ich war vollauf begeistert.