All About Books

A book blog, mostly touring foreign worlds of fantasy novels with occasional detours into space and explorations of magical realism, featuring book reviews, random bookish thoughts and hand lettered quotes.

Der Geruch von Blut

Um den schrecklichen Tod seiner Frau zu überwinden, lässt Finn alles hinter sich und wird Lehrer an einem Internat in einem sehr abgelegenen, kleinen Ort. Doch mit den Ereignissen dieses einen schrecklichen Tages wird er jeden Tag zu kämpfen haben, denn er verlor nicht nur seine Frau, sondern auch sein Augenlicht und lebt seit dem in völliger Dunkelheit und orientiert sich zum Großteil über seinen Geruchssinn.

Doch als er plötzlich ein Mädchen verletzt auf dem Friedhof nahe der Schule findet, überhäufen sich die Ereignisse und Finn sieht sich mehr denn je mit seiner Vergangenheit konfrontiert und sowohl die schmerzhaften Gefühle der Schuld so wie der Durst nach Rache kehren zurück.

Auf Tom Piccirilli bin ich gestoßen, als ich mal wieder auf der Suche nach Autoren war, die Richard Laymon ähnlich sind/ sein sollen und daher hab ich mir dann irgendwann mal dieses zugelegt. Meine Erwartungen waren also entsprechend hoch und ich hab mit einem blutrünstigen und ‘harten’ Thriller gerechnet.

Und sie wie das eben mit Erwartungen so ist…sie wurden nicht erfüllt!

Nicht dass ich das Buch schlecht gefunden hätte, ganz im Gegenteil, es war nur nicht das, was ich erwartet habe.

Erstmals hat sich im Klappentext ein schöner Fehler eingeschlichen, wohl um den Leser neugierig zu machen, denn er steckt gerade in dem einen interessanten Satz, wie ich finde.

Mal abgesehen davon fand ich das Buch wirklich spannend.

Man verfolgt zum einen die aktuellen Ereignisse, die am Internat geschehen und muss miterleben, wie Finn sich durch sein Leben quält und nicht nur mit den Problemen seiner Vergangenheit zu kämpfen hat.

Zusätzlich verfolgt man aber auch Finns Vergangenheit, und wie es zu seiner Blindheit kam, in Form von Erinnerungsfetzen, die ihm immer wieder in den Sinn kommen.

Diese Art der Erzählung hat mir besonders gut gefallen. Die zwei verschiedenen und völlig unterschiedlichen Lebensabschnitte von Finn scheinen aufeinander zuzulaufen und am Ende ergibt alles zusammen erst einen Sinn.

Einige Zeit treibt einen allerdings weniger die spannenden Ereignisse an, sondern die vielen Geheimnisse die sich immer wieder auftun. Oft werden zu bestimmten Dingen erst einmal nur Andeutungen gemacht, um sie erst später, im Verlauf der Handlung, aufzuklären, um so den Leser am Buch zu halten.

Dadurch wird man ziemlich oft zum Nachdenken und mit rätseln angeregt. Viele Dinge scheinen auf den ersten Blick verwirrend und keinen Sinn zu machen, vor allem die erste Begegnung mit dem verletzen Mädchen, klären sich jedoch später auf und sorgen für die eine oder andere Überraschung.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt zieht das Buch dann zwar doch etwas an und bekommt endlich die nötige Spannung, den Kick eines Laymon verschafft es aber leider nicht.

Tom Piccirilli hat wirklich tolle Charaktere geschaffen. Vor allem Finn war als Blinder wirklich sehr überzeugend und es fiel leicht sich in seine so völlig andere Welt hineinzuversetzen.

Und auch wenn man nur einen eher oberflächlichen Eindruck der Mädchen aus dem Internat erlangt, so hat er hier jedoch alle möglichen verschiedenen Persönlichkeiten abgedeckt, welche man sich typischerweise in einer Mädchenschule so vorstellt. Das einzige das mich störte war, dass die Mädchen teilweise zu stark rüber kommen, in Bezug auf ihr Durchhaltevermögen beziehungsweise emotional, da sie manchmal mit extrem schrecklichen Situationen zu locker umgehen.

Bis auf die Kleinigkeit, dass vor allem am Anfang zu viele unnötige Details genannt werden, finde ich auch Piccirillis Schreibstil wirklich sehr gelungen. Denn obwohl ich nicht von Anfang an von der Geschichte vollkommen überzeugt und extrem gespannt auf den weiteren Verlauf war, hat mich seine Art, die Dinge darzustellen, trotzdem an das Buch gefesselt. Er hat eine tolle Weise, die Dinge zu beschreiben, so dass man sie sich leicht vorstellen kann und so konnte ich mich schnell und einfach in die jeweiligen Situationen und Personen hineinversetzen.

Mit einem Richard Laymon konnte dieses Buch leider nicht mithalten, überzeugt hat es mich allerdings trotzdem. Ein interessanter Thriller, der eine besondere Erzählweise aufweist und einen tollen Einblick in die Welt eines blinden Mannes gibt, der von Schuld und dem Drang nach Rache aufgefressen wird. Vor allem sein Schreibstil hat mich soweit überzeugt, dass ich auch auf jeden Fall noch ein weiteres Buch von ihm lesen werde.