All About Books

A book blog, mostly touring foreign worlds of fantasy novels with occasional detours into space and explorations of magical realism, featuring book reviews, random bookish thoughts and hand lettered quotes.

Nightshade: Die Wächter

Calla Tors Lebensweg scheint schon von Geburt an festzustehen: Calla wurde als Kriegerin geboren, und in ihrem achtzehnten Lebensjahr soll sie den verführerischen Werwolf Ren Laroche heiraten, um mit ihm gemeinsam ein neues Rudel anzuführen. Doch Callas Leben wird völlig auf den Kopf gestellt, als sie einen gut aussehenden Menschenjungen rettet und sich in ihn verliebt. Mehr und mehr beginnt Calla ihre Bestimmung in Frage zu stellen. Doch ist ihre Liebe stark genug, um dafür alles aufs Spiel zu setzen, was sie bisher kannte?

Manch einer könnte sich nach dem Lesen der Inhaltsangabe denken: Nicht schon wieder ein Buch über Wölfe. Stimmt, genug gibt es von der Sorte auch, aber bei diesem hier dreht es sich nicht nur einfach um Menschen, die die Fähigkeit dazu haben, sich in Wölfe zu verwandeln, hier geht es um viel mehr.

Die Idee der Wächter die hinter dieser Geschichte steckt fand ich daher sehr gelungen und abwechslungsreich. Hier geht es eher weniger darum, dass Calla Probleme damit hat, ein Wolf zu sein und dass sie ihr Geheimnis hüten muss. Stattdessen hat sie viel mehr Probleme mit ihrem Rudel und ihren damit verbundenen Verpflichtungen. Wer also Wölfe mag und gerne mal etwas Abwechslung sucht fährt mit diesem Buch genau richtig.

Jedoch macht eine gute Idee noch lange kein gelungenes Buch aus.

Dazu gehört auch eine gekonnte Umsetzung und daran hat es mir hier leider teilweise gehapert.

Erst mal hatte ich anfangs große Probleme mit dem Schreibstil. Der war mir leider viel zu abgehackt und irgendwie kam mir die Geschichte einfach nicht flüssig vor. Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, dass hier zu großen Teilen einfach nur die Übersetzung Schuld ist.

“[…] Herr hin, Herr her, es muss Rens Instinkt , seine Rudelgefährten zu schützen, völlig zuwiderlaufen.”

Nach einiger Zeit haben sich aber auch diese Probleme gelöst und ich bin nicht mehr so durch den Inhalt und über merkwürdige Sätze gestolpert. Der holprige Erzählstil nahm mit der Zeit ab, so als hätte Andrea Cremer (oder auch der Übersetzer) nur ein wenig Zeit zum Warmwerden gebraucht.

Und wie das leider für einen ersten Teil einer Reihe gerne typisch ist, kommt die Geschichte leider nur schleppend in Gang. Was mich vor allem gestört hat war, dass man zwar ständig Calla begleitet und deren Handlungen miterlebt, trotzdem aber nur sehr wenig Wissen über sie und ihr Rudel, beziehungsweise ihre Familie erhält. Erst, als sie Shay kennen lernt, erfährt man durch ihre Gespräche, was überhaupt hinter den Wächtern steckt.

Dagegen fand ich die Charaktere wirklich sehr gelungen. Unterschiedlichste Personen, die ganz bestimmte Rollen spielen, wie sie auch in einem Wolfsrudel nicht anders sind. Schnell schließt man sie alle in ihr Herz und verfolgt gespannt deren Erlebnisse.

Besonders spannend dabei ist, dass man bei einigen Personen nicht voraussehen kann, auf welcher Seite sie genau stehen. So wird man immer mal wieder von unerwarteten Taten dieser überrascht und ist selbst nach beenden des Buches nicht ganz sicher, wen man als Callas Verbündete ansehen kann.

Das Ende an sich hat mich persönlich umgehauen. War der Anfang des Buches noch ziemlich lahm und plätscherte die Handlung nur so dahin, ging es hier dagegen richtig spannend zu, plötzlich überschlägt sich alles, die Zeit rast dahin und man wird vollkommen vom Fieber gepackt.

Einerseits bricht der ersten Band dieser Trilogie zwar an einer gut gewählten Stelle ab, jedoch bleiben viele Fragen offen und man bleibt mit einem Kribbeln und der Neugier zurück , wie man es oft nicht anders gewohnt ist. So muss man nun zwar ganz gespannt auf den nächsten Band warten und will diesen unbedingt lesen, man hat so aber auch die Garantie, dass die Ereignisse im Folgeband direkt an dieses Buch anschließen und somit mindestens genauso spannend sein müssten.

Ein gelungenes Buch zum Thema Wölfe als Wächter, dass zwar mit anfänglichen Schwierigkeiten aufwartet, dessen Ende diese jedoch vollkommen wett macht.