All About Books

A book blog, mostly touring foreign worlds of fantasy novels with occasional detours into space and explorations of magical realism, featuring book reviews, random bookish thoughts and hand lettered quotes.

Stadt aus Trug und Schatten

Flora Gerstmann hat alle Hände voll zu tun mit dem Leben, das sie tagsüber führt. Schule, Freunde und eine chaotische Familie sind für ihren Geschmack genügend Herausforderungen für eine 17-Jährige. Dann aber erfährt sie, dass sie noch ein zweites Leben hat: Nacht für Nacht findet sich ihre Seele in Eisenheim wieder, einer Stadt ohne jede Farbe, mit Zeppelinen, Droschken und eleganten Spaziergängern, und stürzt sich dort von einem Abenteuer ins nächste, ohne dass die schlafende Flora das Geringste davon ahnt. 

Jetzt aber werden Flora die Augen geöffnet und sie erwacht in einer Welt, die ihr umso fremder erscheint, je mehr sie darüber erfährt: In Eisenheim scheinen die Gesetze von Raum und Zeit nicht zu gelten, Soldaten auf geflügelten Pferden verbreiten Angst und Schrecken und Flora selbst ist in eine Intrige verstrickt, an die ihr alle Erinnerungen fehlen …

Meine Gedanken vor dem Lesen: Vielversprechender Klappentext, hört sich mal nach einer mir noch ungelesenen Idee an, wird bestimmt gut. Und ein Einzelband…noch besser.
Gedanken nach dem Lesen: Wow! Schön dass es eine Trilogie wird, davon lese ich gerne mehr! :D

Ich als bekennende Süchtige was Buchreihen angeht, habe ja kein Problem damit, wenn jedes zweite Buch das man in die Hand nimmt der Auftakt einer neuen Reihe ist, solange der Inhalt nicht erzwungen und in die Länge gezogen erscheint. Trotzdem hatte ich mich ein klein wenig darüber gefreut, als ich noch unwissend war und das Buch für ein Alleinstehendes hielt, da vollkommen abgeschlossene Bücher schließlich auch ihren Reiz haben.
Ich muss aber sagen: Mit Stadt aus Trug und Schatten hat Mechthild Gläser einen guten Rahmen geschaffen und an der perfekten Stelle mit ihrer Geschichte aufgehört. Daher spricht es schon deutlich für ihre Geschichte, dass ich mich auf weitere Bände freue, denn sie braucht ihre Leser nicht mit einem offenen Ende zu locken, sondern fasziniert so mit ihrer Idee, mit ihrem Schreibstil, mit ihren Charakteren, dass man einfach mehr davon möchte.

Vor allem die Idee hat mich auf Anhieb begeistern können, weil sie mir vollkommen neu war und somit erfrischend anders war in der Fantasy Welt. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht diese neue Idee zusammen mit Flora zu entdecken, da sie schließlich selbst erst im Laufe des Geschehens davon erfährt, dass die Menschen während sie schlafen in einer anderen Welt eine Art Doppelleben führen. Immer wieder musste ich darüber nachdenken, wie es wohl wäre, die Nächte ein Zweitleben in einer völlig anderen Welt zu führen und finde, dass Mechthild Gläser damit eine wirklich schöne Vorstellung geschaffen hat.

Die Stadt ‘Eisenheim’ hat mich richtig fasziniert mit all seinen Geheimnissen die es für Flora nach und nach zu entdecken gibt.
Allgemein fand ich die Handlungsorte des Buches sehr gelungen. Erst mal spielt es sich in Deutschland ab und ist somit das erste Fantasybuch für mich gewesen, das mal in einer mir nicht völlig unbekannten Gegend spielt. Aber auch Eisenheim birgt bekannte Dinge: denn ist ein Mix aus den bekanntesten Schauplätzen beziehungsweise Sehenswürdigkeiten der ganzen Welt und hat mich dadurch richtiggehend in seinen Bann gezogen, weil es gleichzeitig so viele bekannte Dinge enthält und trotzdem so geheimnisvoll ist.

Die Spannung und den Spaß bringt hier aber nicht nur die Entdeckungsreise die man zusammen mit Flora bestreitet. Denn packend wird die Geschichte auch dadurch, dass Flora rausfinden muss wer sie wirklich ist und was es mit dem Stein auf sich hat, hinter dem jeder her zu sein scheint. Dabei bietet vor allem die Frage danach, wem sie eigentlich trauen kann, den gewissen Nervenkitzel. Immer wieder kommen Dinge zu Tage die man so nicht erwartet hat und schmeißen alles über den Haufen, was man bis zu dem Zeitpunkt noch geglaubt hat.

Flora selbst fand ich als Charakter unheimlich süß und toll dargestellt. Ich konnte ihre Position und ihr Handeln immer nachvollziehen und Mechthild Gläser vermittelt wunderbar, wie man sich an ihrer Stelle fühlen muss, so unter Druck zu stehen, endlich ihr Gedächtnis zu den Geschehnisse in Eisenheim wiedererlangen zu wollen, herauszufinden, wer sie selbst ist und damit klar zu kommen, dass in so kurzer Zeit so viel auf sie einstürzt und so viele auf sie einreden und angeblich nur das Beste für sie wollen.
Marian bildet zu Flora den perfekten Gegenpol, die beiden ergänzen sich perfekt und so kommt es auch, dass die Liebesgeschichte die sich hier im Hintergrund abspielt, alles andere als unecht, schnulzig oder nervig wirkt, sondern  einfach wunderbar passt. Die Entwicklung der Beziehung ist weder gekünstelt noch irgendwie erzwungen, sondern verläuft so, wie man es im wahren Leben erwarten würde, mit all ihren Ecken und Kanten.

Alles in allem hat mich Mechthild Gläser mit ihrer Geschichte von Anfang bis Ende verzaubern können. Ihre hier geschaffene Welt war erfrischen neu, anders und hat Interesse geweckt, sie bis ins kleinste Detail entdecken zu wollen. Zusammen mit den liebenswerten und realistisch erscheinenden Charakteren, ist sie ein Ort, den ich gerne wieder besuchen werde.